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Gornaya

Manche Leute wickeln sich ihr Vaterland um den Hals, als sei es ein Schal. Die Gefahr, daran zu ersticken, ist freilich grösser, als sich einen fremden Schnupfen zu holen.

Nachts sind bekanntlich alle Katzen grau. Das gilt übrigens für alle Tierarten. Nur wollen sich halt die wenigsten Menschen mit einem Hamster ins Bett legen, auch nicht mit einem Leguan oder einem Langhaaraffen.

Im Strom der Leidenschaften treiben lauter Verflossene.

Er hat sein Herz verloren. Anders als Hänsel und Gretel hat er aber keine Spur gelegt, so dass zu befürchten ist, dass er von nun an vollkommen herzlos durchs Leben gehen wird.

Sweet Home: Der Schoggitaler bewahrt die historischen Bauten vor der Abrissbirne.

Als der Chirurg dem liebeskranken Patienten den Bauch öffnet, flattern ihm zwei Dutzend Schmetterlinge entgegen.

Sie hat sich einen Boxsack gekauft. Jetzt zieht sie sich jeden Abend die Boxhandschuhe an; das tut ihr gut. Gestern hat der Boxsack zurückgeschlagen.

Draussen herrscht ein unglaublicher Lärm. Es gibt niemand mehr, mit dem man schweigen kann.

Der Mensch hat in der Idylle nichts verloren.

Rehe, Steinböcke und Gämsen hängen als Trophäen an der Wand. Einen Löwen würd er sich verbitten. Er will sich nicht von einem Löwen anfauchen lassen.

Wir schaffen neue Arbeitsplätze. Heute in Nanjing oder Bombay, eines Tages auf dem Mars. Wir leben im Zeitalter des Global village. Das versteh ich unter Brüderlichkeit, das ist die wahre Internationale!

Hermann in Nanjing

Bühne

Blick durchs Kaleidoskop

Island

Grantler   Es ist sinnlos, zwischen Sein und Schein zu unterscheiden, zu glauben, es gäbe einen Unterschied zwischen Realität und Einbildung. Wir sind dank unsrer Einbildungskraft. Ist Erikson tot, ist er nicht tot? Ich bitte Sie, Kolschitzky, wo ist der Unterschied?

Sanders  Es ist human, wenn wir einen Krüppel einen Bückling machen lassen. Schließlich kann er sich nicht recken. 

Programmheft

Konzerttheater Bern (Uraufführung 21. September 2017)

Verlag Hartmann & Stauffacher

Nanjing. The Future

Hermann   Wer Geld hat, reist mit seinem kranken Herzen nach China. Dort kriegt er das gesunde Herz von einem, der hingerichtet worden ist.

Der junge Wiesner   Eine vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung. Soll ein gesundes Herz im Grab vermodern?

Alhvit   Ein mutiges Herz, wer möcht das nicht?

Volkstheater Wien (Uraufführung März 2017)

Verlag Hartmann & Stauffacher

Tresor

Hier bin ich geboren. Was sagt das schon? Die einen wollen hierhin zurück, die andern nichts wie weg von hier, wieder andre bleiben (was nicht heisst, dass sie nichts wollen).

Konzerttheater Bern

Friedrich Theodor Fröhlich: Eine musikalisch-literarische Soirée

Glück? Einzelne Momente, die er der Hoffnung verdankt und den nächtlichen Stunden, in denen er komponiert. Doch vor allem ist’s ein Kampf. Der Vater hat es kommen sehen; er weiss, wovon sich in der Schweiz leben lässt: Lehrer muss man werden, Pfarrer, Richter.

Konzerttheater Bern

Spielplan

Aktuell zu sehen:

Do, 21.09.2017, 19:30 Uhr

Island (UA / Premiere)
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Sa, 23.09.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Mi, 27.09.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Di, 03.10.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Sa, 07.10.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Mi, 11.10.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Mi, 18.10.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Sa, 28.10.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

Sa, 25.11.2017, 19:30 Uhr

Island
Vidmar 2, Konzertheater Bern
Karten

zu «Island»

Sprache jenseits des psychologischen Charakters

Von Anfang an geht es um Inszenierung. Die Regierung soll (von wollen kann keine Rede sein) die Völkerfreundschaft feiern, den Bruderkuss zelebrieren – mithin die Geschichte der Väter ins Bild setzen. Damit die hehre Völkerverständigung unter Männern nicht durch einen dummen Faux-Pas in Krieg mündet, gibt es bekanntlich das diplomatische Protokoll. Über seine Bedeutung über Jahrhunderte hinweg gibt uns das Staatszeremoniell hinreichend Auskunft. Tatsächlich steht der Regierung das Wasser ausgerechnet an diesem Tag aber bis zum Hals. Seit Jahren schon von der Realität entfremdet – das Land selbst abgeschottet und die Grenzen zu – geht es der Regierung jetzt allein um die Aufrechterhaltung des Status Quo und des Scheins sowie um das Verschleiern dessen, was ist. Ihre einzige Angst: Dass die Inszenierung aus dem Ruder laufen könnte.
Man handelt nicht, spricht dafür umso mehr. Die Tonprotokolle aus den letzten Sitzungen des SED-Zentralkomitees im Herbst 1989 zeigen, wie es sich anhört, wenn Männer im Ausnahmezustand so tun, als könnte man die Tagesordnung weiterführen. Man hält am Vokabular fest, selbst wenn alles um einen herum zusammenbricht. Da die Regierung schon längst nur noch um sich selbst kreist, hat sich das Sprechen in Stereotypen und sinnentleerten Phrasen – sprich: Zitaten – kristallisiert (dass es ausserhalb des Zitierens überhaupt kein Sprechen mehr gibt, beklagt schon Fürst Saurau in Thomas Bernhards Verstörung). Es kommt deshalb nicht von ungefähr, wenn Major Sanders versucht, sich an einen jahrhundertealten Quellentext zu erinnern. Ihr Sprachreservoir entstammt nicht dem lebendigen Hier und Jetzt, sondern schöpft sich aus einer bereits vermittelten Vergangenheit, konkret: aus einem Bericht des Minoriten Johannes von Winterthur über die Schlacht von Morgarten. Es ist eine Art sprachliche Choreographie aus der Gruft heraus, entfremdet von der Wirklichkeit und von jeglicher individueller Wahrheit. Die Phrasen, Versatzstücke und Zitate sind längst an die Stelle der Wirklichkeit getreten und haben sich verselbständigt, so dass der Minister vergisst, was und wen er gerade zitiert, und man eben auch schon mal etwas durcheinanderbringt. Darüber hinaus verweisen die Phrasen auf die Verlogenheit der Regierung. Warum denkt Sanders sofort an Schlachten, wenn es darum geht, eine neue Rede über die Völkerfreundschaft zu entwerfen? Oder warum geht es im ABC der Völkerfreundschaft vor allem darum, Feinde und Ausländer zu benennen und zu beziffern? Der totale Widerstand. Kleinkriegsanleitung für jedermann oder auch ein Wahlkampf-Quiz einer Partei aus dem Jahr 2016 liefern dafür den dafür nötigen Duktus und Gestus. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Missbrauch, ja, zur Perversion an sich idealer Begriffe. Man muss sich dafür nur Erich Mielkes Selbstverständnis als Humanist vergegenwärtigen.
Die ewige Wiederholung, die sprachliche Endlosschleife schützt vor Pannen nicht, im Gegenteil. In Die Schweiz und ihre Skandale kann man nachlesen, was man unter Dilettantismus zu verstehen hat; die Versuchung, 007 oder Indianerlis zu spielen, ist eben mitunter gross. Und mindestens ebenso gross ist die Skrupellosigkeit, wenn es darum geht, den Skandal gegenüber der Öffentlichkeit zu vertuschen; es wird gelogen, dass die Balken brechen. Dass das Spielen weit mehr Lust bereitet als die Wirklichkeit, demonstrieren übrigens auch Sanders und Blomberg-Pappenheim, wenn sie im Wargame Operation Exporter, das als Brettspiel tatsächlich existiert, die Syrieninvasion von 1941 nachstellen.
Die Regierung handelt erst, als sie keinen andern Ausweg mehr sieht. Bezeichnenderweise besteht die «Lösung» in einer neuen Inszenierung, es handelt sich also um ein Spiel im Spiel (nicht zuletzt orientiert man sich dabei am militärischen Gruss). Wenn sie über das Individuum Kolschitzky den Bann ausspricht, erklärt sie ihn für rechtlich schutzlos: Dieser wird zum homo sacer (Agamben) erklärt, den man töten darf, ohne dass es als Mord gilt. So erbringt die Regierung den Beweis ihrer Macht.

Gornaya

Gornaya, deren künstlerische Wurzeln in Riga liegen, ist in der Nähe von Basel aufgewachsen. Nach der Erlangung der Matura und einem Aufenthalt in Israel nahm sie in Basel das Studium der Germanistik und Geschichte auf. Mit 23 Jahren zog sie nach Düsseldorf, wo sie ihr Studium beendete und anschließend in Literaturwissenschaft promovierte. Bereits während des Studiums und später dann ihrer freischaffenden Tätigkeit widmete sich Gornaya dem eigenen literarischen Schreiben und verschiedenen künstlerischen Projekten, wozu insbesondere szenische Lesungen gehörten. Ihr Interesse galt schon früh nicht nur der Vermittlung anderer Autoren, sondern auch spartenübergreifenden Arbeiten.
Während ihrer Zeit als Hausautorin am Konzert Theater Bern in der Spielzeit 2016/17 wurde bereits eine musikalisch-literarische Soirée über den Schweizer Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich uraufgeführt. Zudem sind für die Jazz- Liederabende Tresor  aphoristische Texte zu den Themen Heimat, Liebe und Hass entstanden. Im September 2017 folgt die Uraufführung des Stücks Island. Als Freunde sind wir erbarmungslos  (Hartmann & Stauffacher).
Gornayas erstes abendfüllendes Stück Nanjing. The Future  (Hartmann & Stauffacher) wurde am Volkstheater Wien im März 2017 uraufgeführt. Seit 2005 lebt Gornaya in Bern und wahlweise in Wien. Sie arbeitet zur Zeit an einem neuen Stück.

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